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Tropensturm Washi - Chronik der Tragödie vom Dezember 2011

In der Nacht vom 16. zum 17 Dezember hat der Tropensturm "Washi" gewaltige Überflutungen über die Stadt Cagayan de Oro gebracht. Von den Verwüstungen wurde auch unser Zentrum und die Häuser der von uns betreuten Kinder und Familien nicht verschont.

 

Dank beispielloser Unterstützung unserer Spender konnte schnelle Nothilfe geleistet werden und in den Monaten nach der Katastrophe wurden zahlreiche zerstörte Häuser repariert oder neu errichtet.

 

Lesen Sie nachfolgende die Chronologie dieses Dramas aus der Sicht von Iluminada sa Domingo, der Leiterin von "Gugma sa Kabataan":


Taifun Washi zerstört Häuser und Lebensgrundlagen


Gugma sa Kabataan ist schwer getroffen

 

Stefan Wolfenstetter / 18.12.2011 nach einem Telefonat mit der Iluminada sa Domingo, der Leiterin vor Ort

 

In der Nacht zum Samstag hat der Taifun Washi unerwartete Wassermassen auf die Insel Mindanao gebracht. Auch unser Zentrum für die Straßenkinder wurde überflutet. Das Gebäude überstand das Hochwasser, aber die Einrichtung und Gegenstände, wie Koch- und Essgeschirr, Bücher, Computer und Unterlagen sind verschwunden oder zerstört. Weil es an sauberem Wasser fehlt, kann der zurück gebliebene kniehohe Schlamm auch nicht beseitigt werden. Strom- und Wasserversorgung funktionieren bis auf weiteres nicht. Die Straße zu unserem Zentrum ist wegen der Schlammmassen nicht befahrbar. Man muss etwa einen halben Kilometer durch den Schlamm waten, bis man feste Straßen erreicht, wo Busse oder Lastwägen fahren können.

Noch viel schlimmer hat es die meisten Familien der von uns unterstützten Kinder getroffen: Ihre Holzhäuser wurden mit dem gesamten Hab und Gut einfach weggespült. Die Menschen konnten, wenn überhaupt, nur das nackte Leben retten und das, was sie am Leib trugen. Es wurden Evakuierungszentren eingerichtet, wo einige Leute vorübergehend bleiben können. Viele andere schlafen auf der Straße. Von den von uns betreuten 40 Kindern sind bisher erst 15 aufgetaucht. Nach den anderen muss noch gesucht werden.

Am dringendsten werden derzeit gebraucht:
Trinkwasser, Decken, Nahrung, Koch- und Essgeschirr, Brennholz, Tetanus-Impfungen (wegen verschmutzten Verletzungen)

Die gute Nachricht: Diese Dinge können lokal besorgt werden, wenn man zahlen kann. Wir haben das vor kurzem überwiesene, für das erste Quartal 2012 gedachte Budget (6500 Euro) als erste Nothilfe freigegeben und hoffen, dies mit zusätzlichen Spenden kompensieren zu können.

 

 

 


2 Tage nach dem Taifun Washi – Erste Hilfsmaßnahmen

Stefan Wolfenstetter / 19.12.2011 nach einem Telefonat mit der Iluminada sa Domingo, der Leiterin vor Ort

 

Die Nachrichten bringen immer mehr Details des Dramas ans Licht und die Zahl der Toten wird weiter nach oben korrigiert. Mittlerweile spricht man von über 650.

 

In einem Telefonat am 19.12.2011 berichtete Minda, die Leiterin des Projekts in Cagayan ,  dass mittlerweile 27 der von uns betreuten Kinder aufgetaucht sind. Wir hoffen,  in den nächsten Tagen auch noch die restlichen 13 Kinder zu finden.

 

Mit unserer finanziellen Zusage konnte sie die wichtigsten Dinge kaufen und an die betroffenen Kinder geben: Matten zum Schlafen, Decken, Trinkwasser, Wasserkanister (man hofft auf baldige Verteilung von Trinkwasser), Behälter für Reis und Plastikgeschirr.

 

Es gibt auch Hilfe von privater Seite: Privatleute  und auch Firmen bringen Essen und Trinkwasser in die betroffenen Gebiete. Unser Hauseigentümer hat die Miete für diesen Monat halbiert. Action Medeor sagte uns eine kostenlose Medikamentenlieferung zu. Studenten halfen, unser Zentrum wieder vom Schlamm zu befreien.

 

Da sauberes Wasser äußerst knapp ist, ist dies bisher nur teilweise gelungen. Es kann aber dort wieder gekocht und Essen ausgegeben werden. Andererseits fängt der Schlamm an, unerträglich zu stinken.

 

Strom gibt es noch nicht, und das Wasser aus der Leitung wird voraussichtlich erst wieder Mitte Januar fließen.

 

Die Universität ist zu einem Krankenlager umfunktioniert und die Schulen sind Evakuierungszentren. Ansonsten ist aber von staatlicher oder städtischer Hilfe nichts zu sehen, auch nicht vom Roten Kreuz. Nur von einer anderen Quelle hörte ich, dass die Feuerwehr dort Trinkwasser verteilt, wofür naturgemäß sehr viele Menschen anstehen.

 

 


Tag 3 nach dem Taifun: weg mit dem Schlamm, das große Putzen (20.12.2011)

Stefan Wolfenstetter / 20.12.2011 nach einem Telefonat mit Iluminada sa Domingo, der Leiterin des Straßenkinderprojekts vor Ort

 

Die Aufräumarbeiten in Cagayan de Oro gehen weiter. Es gibt offene Geschäfte und Infrastruktur. Noch kann man die meisten Dinge kaufen, nur Trinkwasser findet man schon nicht mehr in jedem Geschäft. Bei diesem abgefüllten Trinkwasser in Flaschen wird es in den kommenden Tagen wohl zu Engpässen kommen. Nach Angaben der Behörden soll das Trinkwasser rationiert werden, auf zwei Flaschen pro Familie jeden Tag. Die Menschen hoffen, dass die Versogung dann auch funktionieren wird.

 

Bei unserem Anruf heute Morgen war Minda, die Leiterin des Straßenkinderprojektes, gerade beim Einkaufen. Zwei unserer Kinder waren mit ihr unterwegs, um ihr beim Tragen zu helfen.

 

Wir freuen uns sehr, dass wir in den ersten Tagen nach der Katastrophe großzügige Spenden bekommen haben. Insgesamt gingen über 8000 Euro ein. Damit kann jetzt in der akuten Nothilfe Einiges organisiert und bewegt werden. Auch die zerstörte Ausstattung und Einrichtung im Zentrum kann damit vermutlich ersetzt werden.

 

Der Wetterbericht kündigt für das Ende dieser Woche einen weiteren Taifun an. Keine angenehme Situation für all die Menschen, die in provisorischen Unterkünften oder auf der Straße leben.

 

Wenn von diesem Budget der Akuthilfe nach dem Einkauf von Decken, Wasser, Essen usw. noch Geld übrig ist, möchte Minda gerne die Familien der von uns betreuten Kinder beim Wiederaufbau unterstützen. Sie brauchen dazu Baumaterial, also vor allem einfaches Bauholz, mit dem sie sich dann in Eigenleistung an den Wiederaufbau ihrer Hütten machen können. Dieses Thema steht aber erst im Januar an, wenn die Regenzeit vorbei ist.

 


Gute Nachrichten: alle Kinder sind gefunden

 

(nach einem Bericht von Marie-Paule Neu / 20.12.2011)

 

Gute Nachrichten hat Marie-Paule Neu bei einem Telefonat mit Minda, der Leiterin des Projekts, erfahren. Die Mitarbeiterinnen haben inzwischen Kontakt zu allen bisher betreuten Kindern. Mit den meisten haben sie direkt gesprochen, drei Kindern sind bei Verwandten in höheren Lagen untergekommen sind.

 

Momentan gibt es Spenden von frischen Lebensmitteln von Bewohnern aus der Umgebung. Die Kinder können auch in der gegenüberliegenden UCCP Kirche etwas zu essen bekommen. Dort werden mehr als 2000 evakuierte Menschen versorgt.

 

Für die Menschen steht nun der Wiederaufbau der Hütten im Vordergrund. Der Präsident hat angekündigt, dass in direkter Flussnähe nicht mehr gebaut werden sollte. Es wird nicht einfach sein, das allen Bewohnern zu vermitteln.

 

Die Lage in Zentrum wird schwieriger, weil der Schlamm inzwischen fürchterlich stinkt und langsam verkrustet. Es gibt keine Fahrzeuge, die die aus den Häusern geräumten Schlammberge atransportieren. Minda selbst wohnt momentan bei verschiedenen Freundinnen.

 

Die Kinder brauchen Medikamente, viele sind erkältet. Für Minda ist auch wichtig, den Kindern Mut zu machen und ihnen Orientierung für die Zeit nach der Krise zu geben.

 

Das Ausmaß der Zerstörung in der Gegenden ist enorm. Am Montagmorgen kamen Malteser mit Hubschraubern. Das Luxemburger Rote Kreuz unterstützt das lokale Rote Kreuz, dazu gibt es einen Spendenaufruf in Luxemburg,

 

Die Rheinische Post greift die aktuellen Berichte zu den Überflutungen beim Straßenkinderprojekt "Gugma sa Kabataan" auf und spricht mit Samantha Neu, die als Praktikantin in Cagayan de Oro gearbeitet hatte:

http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/wesel/nachrichten/weselerin-hilft-sturmopfern-1.2645893

 

Auch zum Praktikum im Jahr 2009 gibt es einen Bericht in der rp-online:

http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/wesel/nachrichten/weselerin-hilft-philippinischen-strassenkindern-1.1049126

 





Mail von Minda (21.12.2011): "We have to be strong"

Dear Friends,

 

We have to remain resilient in the midst of disaster.  To be honest I do not know how I would start telling you how quick things happened.  I am struggling hard to be strong after seeing the loss of many lives lined up on the street waiting for families to claim.  Many people have lost houses.  Our office is located few meters away from the river and  the most affected areas. Our office is full of mud.

 

People are walking looking for food, water and clothes that will keep them warm.

Children never  stops going around to scavenge so that they can buy food while their adult members of the family stayed at home to clean, to repair and to retrieve if ever there is.  Our clients are temporarily staying in an evacuation center.

 

To recall it was  11 in the evening when I was awakened by the strong wind.  I tried to get some sleeps but I could not.  At about 1:00 in the morning I went down to the office to check  if there is water.  I was very confident that our place has a higher ground than the road.

In about 5 minutes it was knee deep and the office is not safe to save some records and lap top.  It was very fast and I saw the water on my waist and I have to go upstairs.  It must be five feet high.  We prepared to go to the roof if it wont stop.  People are crying for help, climbing from the roof.  There was a total block out.

 

We are now on our 6th days.  God is so gracious.  Partners and allied organization are responding partly to the daily needs of the children - food clothing, water.  Groups and individuals are bringing our food from breakfast to dinner.  They helped us to clean the center, pack the rations, bring water for both cleaning and drinking and buy things for us.

Daily the local government can only give NOODLE and CANNED GOODS. 

 

Food, water and clithing remains a problem.  Just this afternoon mothers came requesting for rain booths to protect theri feet from the muds.  They are now experiencing skins problems.  We saw the needs for the kids too.  Both the parents and chidlren are walking barefooted because the slipper wont work walking in a thick mud.

 

 This is what we are doing and our  plan after looking through the situation.

 

  1. Provision of daily emergency needs - food, clothing, water, medicine, slippers, beddings, kitchen parapernalia.
     
    Since the incident happened we are still getting support from partners, friends and concerned people and groups.
  2. Rehabilitation for the families who lost homes and jobs. Gugma will provide assesstment according to the needs of a family.   I  propose that each family will be given 3,000 to 5000.00 pesos to assist them to restart in building a house and earn for a living.  Secondly, it will help them to be independent.
    It will be unfair when the GsK kid will be enjoying our assistance while the other members of the families like siblings will stop going to school.  Hence we are not solving the problem of street children.

Thank you very much for being there to uphold us.  

 

A Blessed season of Advent to you and your family

 

Minda

 





WEIHNACHT 2011

 

MINDA

am 24.12.2011

Liebe Freunde,

  

Das Jesuskind wurde nicht länger in der Krippe geboren.

Es wurde an einem heimatlosen, schlammigen Ort geboren

in Cagayan de Oro am 17. Dezember 2011.

 

Ich war von Tränen gerührt, als ich das Lied der zahlreichen Engel hörte: 

 

Bitte spendet den Straßenkindern, die in der Obhut von Gugma sa Kabataan sind
Bitte, sag uns wie wir helfen können
Bitte, sag uns, was deine Kinder brauchen

Die Hirten brachten Schaufel und Feger um die schlammigen Wände zu putzen.

Viele Weise brachten Trinkwasser in Flaschen, gekochte Nahrung, Kleider, Reissäcke, Küchenutensilien.

           

Die täglichen Kontaktaufnahmen von Freunden und Freundesfreunden sind unzählbar

Alle sagen ein Wort des Trostes, drücken Besorgnis aus

WIR sind nicht allein, es ist JEMAND da in unserem Leid,

in unserem Kampf, uns zu erheben

Danke, dass du da bist, danke dass du Du bist.

 

Wir bleiben stark und werden nicht krank zwischen Bergen von Unrat
Es gibt kein Wasser, kein Elektrisch
Mücken und Fliegen sind besorgniserregend
Der Gestank des Mülls wird widerwärtig.
Wir sind am Leben, dank dem EINZIGEN, der Quelle aus dem wir sind –
von der wir kamen, zu der wir gehen und dessen wir sind. 

                  

 EUCH ALLEN: EIN GESEGNETES WEIHNACHTSFEST 2011 


31.12.2011 Mindas Rückblick

Der Löschwagen von der Kräcker-Firma „Rebisco“ kommt um den Kindern Wasser zu bringen. Nach der zweiten Woche der Katastrophe in Cagayan de Oro gibt es wieder Strom doch nur teilweise fließendes Wasser, allerdings früher als erwartet. Doch andere Neuigkeiten sind schlimmer als erwartet. Minda erläutert die Situation folgendermaßen:

Sechs Kinder und ihre Familien verloren ihre kompletten Hütten, sieben weitere Hütten brauchen dringende Reparatur. Hierfür und für den Wiederaufbau bekommen die Familien kein Bargeld sondern nur das Baumaterial. Pro Haus werden 20.000 Pesos (350€) und pro Reparatur 3.000-5.000€ (52-88€) berechnet.

Außerdem bekommt jede der 37 Familien 3.000 Pesos (52€) Unterstützung um wieder ein regelmäßiges Einkommen aufbauen zu können. Eine GsK Mitarbeiterin und vertrauenswürdige Mutter wird von diesen Einkommen monatlich 20 Pesos (0,35€) einsammeln und auf Sparbüchern anlegen.

Die weiteren Spenden werden für Dinge gebraucht wie; Töpfe, Pfannen, Besteck, Reis und Wasserbehälter, Decken und Matratzen, Mosquito-Netze, Gummistiefel, Slippers und natürlich auch Lebensmittel. Für den Heiligen Abend kaufte Minda jeder Familie ein gegrilltes Huhn und ein großes Brot. Zu Neujahr gab es für jede Familie ein halbes Kilo Schweinefleisch und Hot Dogs.

Doch nach dieser Katastrophe gibt es nicht nur materiellen Verlust. Glücklicherweise konnte GsK alle Kinder wieder unter ein Dach bringen, aber manche von ihnen haben Angehörige verloren. Der Großvater eines Mädchens starb weil er wegen seinem Asthma nicht mehr genug Kraft hatte um in solch einer Situation kämpfen zu können. Die Verwandten eines anderen Mädchens starben in den Fluten.

Wir können uns nur grob vorstellen, was für schreckliche Traumas die Filipinos durchgemacht haben.

Doch GsK versucht die Kinder von ihrem Leid abzulenken. Am 30. Dezember veranstalteten sie einen Gottesdienst vor dem Office, in Zusammenarbeit mit dem „Department of Industrial Engineering“ die  auch ein Mittagessen spendeten. Es kam sogar ein Magier der den Kindern wieder ein Lachen auf ihre Gesichter zaubern konnte.

Wir wünschen allen Unterstützern und Freunden von GsK ein gesegnetes neues Jahr - welches hoffentlich besser als das Ende des Letzten wird.





11.01.2012 Mindas Danke-Brief an alle Spender

Dear Friends,

 

The December 17, 2011 catastrophe "flash flood" have moved people from all around the world. 

 

To this date there are non-government organizations continuously  express support to us victims.

 

In the midst of our losses of lives, properties, jobs we have to rise above.  We are now back to our office and start helping the families to rebuild homes.

 

In behalf of Gugma sa Kabataan Board of trustees, members, staff and children we are deeply grateful for your gifts of care and concern,  material, prayers.  Your gifts signify the fullness of life and awareness of God's presence.

To all of you for your gifts are source of Miracles.

 

A Blessed season of Epiphany.

 

Minda Domingo

Executive director

Gugma sa Kabataan, Inc.



SPENDENKONTO DONATIONS

Gugma Street Kids e.V.

 

IBAN

DE71 6609 0800 0000 1399 98

 

BIC

GENODE61BBB

 

BANK

BBBank Karlsruhe

Herrenstrasse 2-10

76133 Karlsruhe